Die Phantasmik-Lehre ist eine vom Großschriftsteller Hildegunst von Mythenmetz entwickelte poetische Theorie zur Beschaffenheit der Welt, die er in seinem gleichnamigen Werk als Entwurf gegen die Eydeetische Philophysik entwarf. Kernsatz der Phantasmik-Lehre ist Ich werde gedacht, also bin ich!
Phantasmik[]
Die Mythenmetzsche Phantasmik setzt voraus, dass die Welt nicht den wissenschaftlich erklärbaren Naturgesetzen unterworfen ist. Vielmehr besteht sie aus reiner Vorstellungskraft, und zwar der Vorstellungskraft bzw. den Gedanken eines übergeordneten Wesens. Dieses stammt möglicherweise aus einer anderen Zeit oder Dimension, aber Mythenmetz ist sicher, dass dessen Denken verantwortlich ist für die Existenz und Geschehnisse dieser Welt.
Die Welt besteht aus Phantasmen und Imagerinen. Phantasmen sind die kleinsten Einheiten reiner Vorstellungskraft. Diese werden von den Imagerinen umkreist. Wenn sich zwei Phantasmen und ihre Imagerinen berühren, verschmelzen sie miteinander und bilden auf diese Weise Wörter, Sätze und Reime. Die Phantasmenverschmelzung löst eine poetische Eigendynamik aus. Neue Imagerinenkollisionen werden verursacht und durch diese Kettenreaktion erreichten die verschmelzenden Phantasmen eine solche Dichte, dass sie sich zu ganzen Gedichten, Novellen und Romanen konzentrieren. So sind ein Wald oder das Meer für die Phantasmik gekonnte Naturbeschreibungen und tägliche Gespräche sind ausgearbeiteter Dialog, die aus dem Zusammentreffen von Phantasmen und Imagerinen in der Vorstellungskraft eines übergeordneten Wesens entstehen.
Entstehung und Ende[]
Prof. Nachtigaller, Entwickler der Eydeetischen Philophysik
Anlass für den Dichter Mythenmetz, sich auf das Gebiet der Wissenschaft zu begeben, war der wachsende Ruhm des Prof. Dr. Abdul Nachtigaller und seines Werkes Lexikon der erklärungsbedürftigen Wunder, Daseinsformen und Phänomene Zamoniens und Umgebung. Dadurch in seinem Stolz angegriffen, studierte Mythenmetz das Lexikon und die nachtigallerschen Standardwerke zur Philophysik. Von dieser Lektüre verstand er allerdings nur sehr wenig. Dies und die elitär-akademische sowie positivistische Haltung Nachtigallers provozierten ihn weiter, was ihn schließlich dazu veranlasste, einen poetischen Gegenentwurf zu entwickeln.
Die Veröffentlichung der Phantasmik-Lehre entfachte eine Diskussion unter allen zamonischen Intellektuellen und Studenten, sodass Mythenmetz und Nachtigaller schlussendlich zu einem Rededuell an der Gralsunder Universität zusammentrafen. Dies wurde vor den Anhängern beider Denker, Literatur- und Philophysikstudenten veranstaltet. Mythenmetz stellte in einer einstündigen und zumindest äußerlich brillanten Rede seine Theorien vor. Nachtigaller antwortete mit nur einem Satz: "Wenn alles in Zamonien das Werk eines übergeordneten Denkers ist - dann sind es logischerweise doch auch ihre eigenen Bücher, Herr von Mythenmetz". Nach einigem Stammeln verließ Mythenmetz das Podium und Gralsund. Für die nächsten 75 Jahre verschwand er vollständig von der Bildfläche. Wenn man seinen Aussagen Glauben schenken darf, ging er währenddessen sogar nach Yhôll.[1]
Quellenangaben[]
- ↑ Ensel und Krete, Von der Lindwurmfeste zum Bloxberg , Die Phantasmik-Lehre, S. 250ff.